Spielberichte 2015-2016

Dritte Liga Nord: Frauen der SG Rotation Prenzlauer Berg und Männer der TSGL Schöneiche vorzeitig Meister – doch wohin führt ihr Weg?

Die vierte Saison in der dritthöchsten deutschen Spielklasse, die im Spieljahr 2012/2013 aus der Taufe gehoben wurde, ist seit dem letzten Wochenende abgeschlossen. Bereits einen Spieltag vor dem Saisonfinale standen mit den Frauen des Aufsteigers SG Rotation Prenzlauer Berg (Foto oben) und den Männern der TSGL Schöneiche (Foto oben) die Meister vorzeitig fest. Beide Meisterteams können dabei auf eine imponierende Saisonbilanz verweisen: Prenzlauer Berg verlor nicht eines seiner 16 Spiele und feierte bei einem Satzstand von 48:3 sage und schreibe 14 Mal 3:0-Siege. Nur im Auswärtsspiel Mitte Dezember gegen VG WiWa Hamburg wurden beim 3:2 zwei Sätze und Ende Januar im Heimspiel gegen den späteren Vizemeister VSV Havel Oranienburg beim 3:1 ein Satz abgeben. Auch Schöneiches Abschneiden kann sich mit 18 Siegen und lediglich zwei Auswärtsniederlagen (1:3 gegen den späteren Vizemeister SV Warnemünde und 2:3 gegen Berliner VV) sehen lassen.

Unbändiger Wille bei Prenzlauer Berg auf dem Spielfeld und im Training

Bei den Frauen aus Prenzlauer Berg war das Volleyball-Urgestein Klaus Helmke, Abteilungsleiter und Vizepräsident des Gesamtvereins, nicht einmal überrascht über die Dominanz seines Teams. „Wir hatten schon in der Vorbereitung auf die Saison 2015/2016 bei Testspielen super Leistungen gegen den damaligen Zweitbundesligisten TSV Rudow gezeigt, der inzwischen als Köpenicker SC II in der 2. Bundesliga spielt. Da schon war allen Spielerinnen klar: Wenn wir in der Punktspielserie an dieses Niveau anknüpfen können, marschieren wir vorneweg“, schilderte der 67-jährige Coach. Vor allem aber verwies Helmke auf einen besonderen Umstand: „Die Mannschaft, die in den beiden Jahren zuvor souverän Meister in der Regionalliga Nordost geworden war und sich nach einigem Hin und Her für den Aufstieg in die Dritte Liga entschlossen hatte, motivierte der unbändige Wille, als Team allen zu zeigen, was man drauf hat.“ Dieser Wille habe sich nicht nur auf dem Spielfeld gezeigt, sondern habe auch das gesamte Training geprägt. Nach dem erneut souveränen Auftritt in der Dritten Liga und der stimmungsvollen Meisterfeier in einem Berliner Bowlingcenter mit Team, Trainern und Ehrenamtlern sowie Sponsoren, auf der mit Melanie Gernert und Romy Munz zwei bewährte Stammspielerinnen verabschiedet wurden, ist nun der Alltag eingekehrt – mit der entscheidenden Frage: Wohin führt der Weg von Prenzlauer Berg in der nächsten Saison? Helmke versucht zwar nicht der Frage auszuweichen, verweist aber auf den 25. April. „Bis dahin, so habe ich selbst die Deadline gesetzt, ist entschieden, welchen Weg wir gehen. Das Entscheidende sind dabei die Finanzen, die nur über Sponsoren aufzubringen sind. Definitiv ausgeschlossen ist der Aufstieg in die 2. Bundesliga.“ Für die Dritte Liga, so Helmke, seien aber rund 10 000 Euro nötig. „Die haben wir derzeit nicht zusammen. Und natürlich ist klar, dass das Geld nicht über Nacht vom Himmel fällt. Rotation hat jetzt vier Jahre in Folge immer einen Meistertitel gewonnen, und die Sponsoren haben mitgezogen. Nun aber sind auch deren Finanztöpfe nicht unerschöpflich, so dass sich dieser und jener zurückzieht. Natürlich habe ich Treffen mit zwei Sponsoren gehabt, aber keiner ist so richtig angesprungen. Ehrlich gesagt, so übermäßig optimistisch bin ich hinsichtlich der Finanzierung augenblicklich nicht.“ Angesichts dieser Sachlage gibt es verschiedene Optionen: Die beste wäre natürlich, das nötige Geld kommt auf und die erste Mannschaft spielt auch nächste Saison in der Dritten Liga. Die bitterste wäre, Prenzlauer Berg muss sich mit seiner Meistermannschaft aus der Dritten Liga zurückziehen und in die Regionalliga Nordost wechseln. Das wiederum hätte zur Folge, dass die spielstarke, mit etlichen jungen Talenten besetzte zweite Mannschaft die Regionalliga Nordost, wo sie einen Spieltag vor Saisonende Tabellenfünfter ist, verlassen und in die Berlinliga gehen müsste. „Damit würde diese hoffnungsvolle Mannschaft auseinanderfallen“, ist sich Helmke im Klaren. „Das wäre auch ein Schlag ins Gesicht des Vereins, denn unser Konzept vornehmlich im weiblichen Volleyballbereich zielt seit Jahren darauf ab – und das mit Erfolg -, in Berlin etwas zu entwickeln. Das würden wir kaputt machen. Daran kann keiner ein Interesse habe.“ Die Gedankenspiele gehen nach Helmkes Worten daher noch weiter: Es kann durchaus sein, dass der unter Trainer Marc Zuckermann spielende Kader der zweiten Mannschaft als erste Mannschaft aufrückt und somit drittklassig spielt, so dass folglich alle übrigen Spielerinnen in die in der Regionalliga spielenden zweiten Mannschaft unter Trainer Klaus Helmke eingegliedert werden. Aber das hänge, so Helmke, von zweierlei ab: Erstens ob die meisten noch im Abitur-Jahrgang stehenden jungen Spielerinnen überhaupt bereit sind, in die Dritte Liga zu wechseln, wo die zeitlichen Belastungen durch lange Anfahrwege zu den Spielorten ungleich größer sind. Und zweitens inwieweit es Marc Zuckermann gelingt, die auf dieses Talenteteam fokussierten Kleinsponsoren für die Dritte Liga zu gewinnen. Das alles sind zugegebenermaßen zur Stunde höchst verwirrende Optionen, die spätestens mit Helmkes selbst terminierter Deadline am 25. April aufgelöst werden. Der generelle Meldetermin ist für alle Vereine der 2. Mai. Was vorher nicht geklärt ist, ist dann endgültig klar.

Schöneiche zum zweiten Mal Meister in der Dritten Liga Nord

Bei den Männern feierte die TSGL Schöneiche einen Spieltag vor Saisonschluss im letzten Heimspiel der Saison mit rund 250 Fans in der Lehrer-Paul-Bester-Halle mit einem 3:1 gegen den Absteiger Niendorfer TSV den zweiten Titelgewinn in der Dritten Liga Nord nach 2014. Dabei profitierten die Schöneicher von der unerwarteten 0:3-Niederlage des ärgsten Verfolgers SV Warnemünde beim VfL Pinneberg. „Wir haben vor dem Liveticker gesessen, Pinneberg die Daumen gedrückt und uns riesig gefreut, als das Ergebnis feststand“, bekannte Schöneiches Zuspieler und Routinier Stefan Schibilsky. Sein persönliches Saisonfazit fasste er in die Worte: „Ich bin wirklich stolz, ein Teil dieser Meistermannschaft zu sein.“ Schließlich gab er den Lorbeer an das Trainerteam weiter: „Was Mewes Goertz als Trainer und Hannes Goertz als Co-Trainer aus dieser, vor der Saison neu zusammengestellten und im Durchschnitt sehr jungen Truppe herausgeholt haben, ist nicht hoch genug einzuschätzen.“ Die Frage aller Fragen ist natürlich: Werden die Randberliner den erneuten Titelgewinn auch „veredeln“ und ihr Aufstiegsrecht in die 2. Bundesliga wahrnehmen? „Die Grundstimmung im Verein ist anders als beim Titelgewinn vor zwei Jahren diesmal durchaus positiv“, so das vorsichtige Signal des TSGL-Vorstandsvorsitzenden Dirk Leonhardt. Man habe zwar nicht von ungefähr an der Vorlizensierung der Bundesliga teilgenommen. „Aber wir werden den Aufstieg nur mit unserem jungen Trainerteam und dem Großteil der Meistermannschaft in Erwägung ziehen und keine finanziellen Wagnisse eingehen“, tritt Leonhardt zugleich ein wenig auf die Euphoriebremse. Auch Abteilungsleiter Robert Döbler bestätigte aktuell: „Es ist noch nichts entschieden – weder so noch so.“ Zu den offenen Punkten gehört auch die Bestätigung vom Deutschen Volleyballverband, dass Schöneiches Cheftrainer Mewes Goertz in diesem Jahr noch seine Ausbildung zum A-Trainer beginnen kann und er somit von der Bundesliga überhaupt als verantwortlicher Trainer lizensiert wird. Daneben laufen natürlich die Kaderplanungen für die kommende Saison, die schließlich darüber mitentscheiden, für welche Liga die TSGL Schöneiche meldet. Kurzum: Für Männermeister Schöneiche gilt wie für Frauenmeister Prenzlauer Berg, dass es eine definitive Entscheidung über den weiteren Weg spätestens bis zum offiziellen Meldetermin am 2. Mai geben wird. Noch ein Wort zur Abstiegssituation bei den Männern der Dritten Liga Nord: Hier sind der Niendorfer TSV und PSV Neustrelitz/Team Wesenberg die zwei Direktabsteiger. Da aus der 2. Bundesliga Nord der USC Magdeburg in die Dritte Liga Nord absteigt, würde es im Falle des Zweitliga-Aufstiegsverzichts von Schöneiche mit TKC Wriezen einen dritten Absteiger geben, der in die Regionalliga Nordost zurückkehren müsste.

Jürgen Holz,

Pressewart DL Nord

Halbzeit in der Dritten Liga Nord: Die Frauen der SG Rotation Prenzlauer Berg vor dem Durchmarsch - doch es droht eine ungewisse Zukunft

In der Dritten Liga Nord ist bei den Frauen die erste Halbserie der Saison 2015/2016 abgeschlossen. Und es überrascht die Kenner der regionalen Volleyballszene nicht, dass in dem Neunerfeld nach acht Spielen die SG Rotation Prenzlauer Berg an der Spitze steht – ungeschlagen und mit einem Satzstand von 24:2. Anders ausgedrückt: sieben Siege mit 3:0 und ein Sieg mit 3:2. Mit 23 Punkten liegt Prenzlauer Berg vor dem VSV Havel Oranienburg (21) an der Tabellenspitze. Und es sieht ganz danach aus, als würde den Prenzelbergerinnen – wie schon in der Regionalligasaison 2013/2014 – ein Durchmarsch mit einer ungeschlagenen Serie gelingen.

Klaus Helmke, zusammen mit seiner Frau Heike Trainer des Teams und seit Jahrzehnten der „Macher“ im Verein, ist hinsichtlich des Durchmarsches etwas vorsichtiger. „Es gibt in der Dritten Liga mit dem VSV Havel Oranienburg, dem Eimsbütteler TV und der VG Wiwa Hamburg drei ganz starke Mannschaften, die sich in der Rückrunde als Stolpersteine für uns erweisen könnten. Ich hoffe das nicht, aber ich muss auch realistisch bleiben“, sagt Klaus Helmke.

Ihn wurmt schon ein wenig, dass ausgerechnet im letzten Spiel der ersten Halbserie am vergangenen Sonntag in Hamburg beim 3:2 (25:10, 23:25, 22:25, 28:26, 15:8)-Erfolg zwei Sätze abgegeben wurden und damit ein Punkt eingebüßt wurde. „Dieser eine Punktverlust kann sich womöglich noch rächen, wenn wir in der Rückrunde gegen den härtesten Widersacher Oranienburg, der sich mit bundesligaerfahrenen Spielerinnen erheblich verstärkt hat, am 30. Januar in eigener Halle verlieren und drei Punkte abgeben. Denn dann wären wir die Tabellenführung los und würden es schwer haben, noch Meister zu werden.“

Rotation Prenzlauer Berg ist in dieser Saison Aufsteiger in die Dritte Liga Nord. Drei Jahre lang hatte die Mannschaft im Vorderfeld der 2. Bundesliga Nord gespielt, sich dann aber aufgrund fehlender Sponsoren freiwillig aus der zweithöchsten deutschen Spielklasse zurückgezogen und danach drei Jahre lang überaus erfolgreich in der Regionalliga Nordost aufgeschlagen – mit drei Titelgewinnen in Serie. „In der Zeit der 2. Bundesliga haben wir rund 200 000 Euro verbrannt“, sagt Helmke. „Auch die Dritte Liga war danach aus finanziellen Gründen keine Option. Aber nach drei Meisterschaften in Folge in der Regionalliga drängte die Mannschaft, wieder mal höherklassig zu spielen, so dass wir als Regionalmeister für die Saison 2015/2016 für die Dritte Liga Nord gemeldet haben. Aber dafür sind auch 10 000 Euro pro Saison nötig. Das verdeutlicht: Selbst wenn sportlich alles läuft, ist auch die Dritte Liga finanziell ein Kraftakt, der nicht so ohne weiteres zu bewältigen ist. Und man sollte nicht übersehen, dass die Dritte Liga neben der sportlichen Herausforderung für die Spielerinnen auch einen hohen Zeitaufwand mit sich bringt mit Fahrten zu Auswärtsspielen etwa nach Hamburg oder Kiel.“

Sportlich gesehen hatte sich die Mannschaft zu Saisonbeginn das Ziel gestellt, mindestens unter die ersten drei einzukommen. Inzwischen visiert das Team den Meistertitel an, wobei Helmke alle Illusionen dämpft: „Einen Aufstieg in die zweite Bundesliga wird es nicht geben. Das können sich der Verein und die Mannschaft nicht leisten. Selbst wenn sportlich alle Voraussetzungen gegeben wären, so könnten wir die Modalitäten, die die VBL für die zweithöchste Spielklasse vorschreibt, mit einem hauptamtlichen Trainer und einem angestellten Geschäftsführer nicht erfüllen.“

Das ohnehin schon über Jahre spielstarke Team aus Prenzlauer Berg hat sich mit dem Aufstieg in die Dritte Liga weiter verstärkt, vornehmlich durch die beiden Leistungsträgerinnen Melanie Gerner (28 Jahre), die früher schon mit Prenzlauer Berg in der 2. Bundesliga spielte, sich dann aber dem Beachvolleyball widmete, und Romy Munz (26) vom Regionalligisten SV Energie Cottbus. Gerner ist eine Verstärkung auf der Außen-/Annahmeposition und Munz eine Bereicherung in der Blockabwehr. Sie ist im gehobenen Polizeidienst tätig und kommt übrigens einmal wöchentlich von Cottbus nach Berlin zum Training. Ansonsten bereitet sie sich in der Lausitz auf die Drittligaspiele vor.

Wenn Helmke von den „besonderen Tugenden“ seiner Mannschaft spricht, dann führt er nicht allein die "sportliche Reife" an, sondern verweist vor allem auf den „Zusammenhalt im Team“ und auf den „Spaß“, den die Mannschaft im Training wie Wettkampf hat. „Alle ziehen mit. Selbst zu Auswärtsspielen fahren wir mit einem zwölfköpfigen Kader – das sagt Einiges aus über die Atmosphäre im Team“, fügt Helmke nicht ohne Stolz hinzu.

Also alles paletti bei der SG Rotation Prenzlauer Berg? Klaus Helmke schüttelt verneinend den Kopf: „Wir stehen demnächst vor einer komplizierten Situation. Unsere Trainings- und Wettkampfhalle in der Sredzkistraße steht beim Bezirksamt auf der Vergabeliste der Hallen, die für die Einquartierung von Flüchtlingen in Berlin vorgesehen sind. Wann das genau passiert, ist noch offen. Aber dass es so kommt, steht fest.“ Alternativ habe man im Augenblick nichts in Sicht. „Momentan sieht es so aus, dass wir anderswo sozusagen betteln gehen müssen, um zumindest unsere restlichen fünf Heimspiele ordentlich über die Bühne zu bringen, vom Training ganz zu schweigen“, schildert Helmke die Lage, wobei er noch hinzufügt, dass es hinsichtlich einer anderen Halle auch das Problem zu lösen gelte, dass diese Ersatzturnhalle spieltauglich für die Dritte Liga sein muss, wobei hier unter den gegebenen Umständen auch Ausnahmen geltend gemacht werden dürften.

Dennoch: Diese veränderte Situation und bevorstehende Wanderschaft mal hier, mal dort zu spielen, könnte durchaus zu einem sportlichen Bruch beim Spitzenreiter führen. Aber abwarten: Klaus Helmke und seine Mitstreiter haben schon in der Vergangenheit Unmögliches möglich gemacht!

Noch ein Hinweis zu den Männern in der DL Nord: Hier steht in dem Elferfeld nach zehn Spielen der SV Warnemünde (24 Punkte) vor der TSGL Schöneiche (22) an der Spitze. Beide haben je acht Siege und zwei Niederlage auf ihrem Konto. Als Dritter liegt der Berliner VV (21) auf der Lauer. Die Titelentscheidung ist auch hier noch längst nicht gefallen.

In beiden Staffeln wird die Saison am 9./10. Januar 2016 fortgesetzt. Das Finale ist bei den Frauen am 2. April 2016 und bei den Männern am 9. April 2016.

Jürgen Holz,

Pressewart DL Nord